Gartenbaumuseum

Die Cyriaksburg

Sitz des Deutschen Gartenbaumuseums Erfurt

Die Cyriaksburg liegt auf einem Hügel vor den Toren der Thüringischen Landeshauptstadt Erfurt. Sie war seit 1480 Bestandteil der Befestigungsanlagen der Stadt, denn der Cyriaksberg war ein strategisch wichtiger Punkt, von dem aus feindliche Truppen die Stadt beschießen konnten. Außerdem beherrschte er wichtige Straßen wie die von Nordhausen und Gotha nach Erfurt sowie das Geratal von Hochheim. Der Großteil der heute noch sichtbaren Gebäudeteile stammt aus dem Zeitraum 1825 bis 1829. Der Umbau des Kastells Cyriaksburg von 1480 zu einer Festung im neupreußischen Stil (heutige Situation) erfolgte durch Ingenieurkapitän Haak. Erfurt wurde nach 1815 von der nunmehr preußischen Regierung zu einer Festungsstadt I. Ranges mit zwei Zitadellen erhoben und die alte Cyriaksburg als eine der Zitadellen entsprechend umgebaut. Als zweite Zitadelle fungierte die Festung Petersberg in der Erfurter Altstadt am Domplatz.

Die Festung „Cyriaksburg“ erhielt 1825/26 eine sogenannte Defensionskaserne als Hauptgebäude, die die Mannschaften und Offiziere speziell für die Bedienung der Kanonen aufnahm. Jeder Mannschaftsraum beherbergte 12 Soldaten und einen Unteroffizier. In den Kellergewölben der Kaserne wurden Proviant, Waffen und Munition gelagert. An beiden Schmalseiten der Defensionskaserne wurden 1825 sogenannte Kanonenhöfe für die Geschütze angebaut. Der Zugang zur Festung erfolgte über die Brücken- oder Kehlcaponniere, die außerdem den trockenen Festungsgraben beherrschen sollte.

Die Zugbrücke am Haupttor von 1826 wurde 1920 abgerissen. Eine Grabencaponniere im Festungsgraben ist heute ebenfalls noch sichtbar. Durch ihre Schießscharten hindurch konnten Schützen den Graben und den Festungszugang mit Gewehren beschießen. Das Dach war mit einer starken Erdschicht vor Geschossen geschützt. Innerhalb der Festung kann heute noch der unterirdische Kriegsbrunnen besichtigt werden. Der Zugang und das gemauerte Kuppelgewölbe sind 1829 angelegt worden. Vor dieser Zeit stand der bereits 1530 geschachtete Brunnen im Freien.

Eine Zisterne speicherte seit 1829 etwa 8 m³ Wasser, das als Trinkwasser und zum Löschen benutzt werden konnte. Der Brunnen ist heute ca. 40 m tief. Das Wasser wurde ab 1871 über eine auf der Brunnensohle installierte Pumpe gefördert. Das Pumpengestänge zum Betrieb derselben ist heute noch sichtbar.

Die Festung Cyriaksburg ist nach dem beschriebenen Umbau militärisch nie in Aktion getreten. Deshalb und aus Kostengründen begann die preußische Verwaltung zwischen 1874 und 1900 damit, Teile der Festung abzubrechen. 1885 erreichte der Erfurter Verschönerungsverein, dass Teile des Geländes an der Cyriaksburg öffentlich zugänglich gemacht und für eine gärtnerische Bepflanzung frei gegeben wurden. Die militärische Nutzung der Festung endete 1918.

Ein Jahr später erwarb die Stadt Erfurt das Gelände von Preußen zurück. 1950 fand hier die Gartenschau „Erfurt blüht“ statt. 1961 wurde die „I. Internationale Gartenbauausstellung der sozialistischen Länder“ (iga) eröffnet, die auch das Gelände der Cyriaksburg umfasste, in der zeitgleich ein Gartenbaumuseum eröffnet wurde, das bis 1994 bestand. Es folgte die Gründung der Stiftung Deutsches Gartenbaumuseum und nach einer völligen Neugestaltung fand die Wiedereröffnung des Museums im Mai 2000 statt.

Wurde bis dahin die Historie der Festung Cyriaksburg in preußischer Zeit beschrieben, so muss daran erinnert werden, dass es die Cyriaksburg seit 1480 bereits als Kastell an derselben Stelle gab. Die Stadt Erfurt hatte es damals errichten lassen. Heute zeugen zwei mächtige Rundtürme von 1528, bzw. 1530 sowie Mauerreste von diesem früheren Bauzustand. Anders als nach 1830 musste das alte Kastell im Schmalkaldischen Krieg von 1546/47 seine erste Feuerprobe bestehen, als Truppen des Herzogs von Sachsen es belagerten. Im 30jährigen Krieg verstärkten schwedische Truppen das Kastell. Im 17. Jh. ließ der Mainzer Kurfürst nicht die Cyriaksburg, sondern die Festung Petersberg ausbauen. Im 18. Jh. nahm die militärische Bedeutung der Cyriaksburg weiter ab, so dass der Erfurter Stadtrat sogar ihren Abriss erwog. In Napoleonischer Zeit von 1806 bis 1813 befand sich in der Cyriaksburg eine französische Besatzung. Bevor nun aber 1480 der Bau der Cyriaksburg begann, befand sich an ungefähr gleicher Stelle bis 1478 ein Nonnenkloster der Benediktiner – das Cyriakskloster. Erzbischof Adalbert I. von Mainz hatte es 1123 vom Domhügel in der Stadt auf den Hügel vor der Stadt verlegen lassen, weil er den Domhügel anderweitig nutzen wollte. 1478 wurde das Nonnenkloster vom Cyriaksberg wieder in die Stadt zurück verlegt, so dass ab 1480 der Bau des Kastells beginnen konnte. Reste des ehemaligen Klosters sind heute nicht mehr zu sehen.